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Zuversicht

Gedanken zu den Rhize Up Days.


Zwei Tage.

Ein Thema.

Zuversicht.



Die Rhize Up Days standen heuer unter einem großen, vielleicht sogar mutigen Dach: Zuversicht.


Zuversicht als Haltung, die entsteht –

im Miteinander, im Reflektieren, im Tun.


Was mich besonders berührt hat:

Zuversicht wurde nicht großartig erklärt. Sie wurde erlebbar gemacht.

Denn Zuversicht entsteht im Tun und Handeln.


Generalized Reciprocity –

Geben ohne Gegenleistung


Gleich zu Beginn haben wir mit Barbara Riedenbauer eine Übung gemacht, die den Ton für alles Weitere gesetzt hat.


Die Methode nennt sich Generalized Reciprocity.

Ihre Idee ist radikal einfach – und gerade deshalb so kraftvoll.


Eine Person formuliert ein echtes Anliegen.

Die Gruppe hört zu.

Und dann wird gegeben.

Ohne Erwartung.

Ohne Gegenleistung.

Einfach so.


„Ich kenne da jemanden.“

„Hast du das schon probiert?“

„Ich würde es so angehen …“

„Ich habe dazu eine Idee …“


Was diese Methode so besonders macht:

Sie wirkt in beide Richtungen.


Denn beim Geben passiert etwas Erstaunliches.

Wir tun nicht nur der anderen Person etwas Gutes – wir tun es auch uns selbst.


Schenken aktiviert ein tiefes Urbedürfnis des Menschen:

Teil eines größeren Ganzen zu sein, beitragen zu können, wirksam zu sein. Evolutionsbiologisch war genau das überlebenswichtig. Gemeinschaften, in denen Menschen füreinander sorgten, waren stabiler, sicherer, zukunftsfähiger.


Auch neurologisch ist das gut belegt:

Geben aktiviert im Gehirn dieselben Areale wie Freude, Verbundenheit und Sinn.

Der Körper schüttet Oxytocin und Dopamin aus – Bindungs- und Glückshormone.

Nicht selten freuen sich die Schenkenden mindestens genauso sehr, oft sogar mehr als die Beschenkten.


Generalized Reciprocity erzeugt damit etwas Seltenes:

Sofortige Verbundenheit.

Wirksamkeit ohne Druck.

Zuversicht ohne Versprechen.


Diese Haltung kenne ich. Sie ist wunderbar einfach – und gleichzeitig tief menschlich.

Sie ist der Kern der eat & spread Lunches, des Sisterhood Stammtischs und der Success Soirée. Und sie wurde hier noch einmal glasklar sichtbar:


Zuversicht wächst dort, wo wir einander wieder fragen:


Was kann ich für dich tun?

Was brauchst du?


Nicht später.

Nicht irgendwann.

Jetzt. Für diesen Moment.



Ein erfülltes Leben –

fünf Ebenen der Erfüllung


Am Abend dann ein echtes Geschenk: Friedemann Schulz von Thun – klug, humorvoll, tief und überraschend lebensnah.


Er sprach über Erfüllung und darüber, warum sie nie eindimensional ist.

Sein Modell spannt fünf Ebenen auf, die einander nicht ersetzen, sondern ergänzen.



Alpha – Wunscherfüllung


Was wünsche ich mir vom Leben?


Drei unbequeme Wahrheiten bleiben:

Wünsche sind oft schwer zugänglich.

Sie sind häufig gegensätzlich.

Und wenn sie sich erfüllen, sind wir erstaunlich wenig dankbar.


Denn mit jeder Sehnsucht kommt auch ihr Gegenpart:

Nähe und Freiheit.

Bindungsglück und Selbstsein.

Wurzelglück und Flügelglück.


Das innere Team redet hier kräftig mit – die Bescheidene, der Realist, die Pflichtbewusste. Und immer auch die Angst. Denn wer seinen Sehnsüchten folgt, hat es zunächst auch mit Unsicherheit zu tun.


Der Satz, der blieb:

„Oh, wie ist das Leben wunderbar – werden manche Träume wahr.“

Und die Erinnerung:

Was sich erfüllt hat, will gewürdigt werden.



Beta – Sinnerfüllung


Was kann sich durch mich erfüllen?


Glück, sagt Schulz von Thun frei nach Viktor Frank, ist immer ein Nebenprodukt von Sinnerfüllung. Es entsteht dort, wo wir Bedeutung haben – für andere und für uns selbst.


Ein kleiner Beitrag.

Eine kleine Wirkung.

Ein Gefühl von Zugehörigkeit. Es ist ein Urbedürfnis von uns zum großen Ganzen beitragen zu können von dem wir ein Teil sind.


Der Mensch im System.

Das System im Menschen.

Und dazwischen: Stimmigkeit.



Gamma – Biografische Erfüllung


Der Reichtum der Erfahrung.


Ein erfülltes Leben besteht nicht nur aus triumphalen Höhen.

Sondern auch aus all dem, was mit Sch beginnt:


schlecht.

schlimm.

schmerzhaft.

Schlamassel.

Scherbenhaufen.

Schieflage.

Schock.

Schererei.

Schlammschlacht.

Scham.

Schuld.

Schatten.

Schwere.

Schachmatt.

Und ja: Scheiße.


Die Kunst besteht darin, aus all diesen SCHs einen Schatz zu machen.


Fragen, die nachhallen:

Wenn mein Leben ein Buch wäre – welchen Titel hätte es?

Wenn es ein Film wäre – welche Szenen müssten gezeigt werden?

Welche Kapitel dürfen nicht fehlen?

Wo zieht sich mein roter Faden?


Zuversicht heißt hier:

Ich nehme mein Leben in seiner ganzen Reichhaltigkeit an.



Delta – Daseinserfüllung


Der Zauber des Augenblicks.


„Ich habe mich nicht selbst gemacht.

Ich habe mich nicht erfunden.

Ich wurde ungefragt entbunden – und habe mich so vorgefunden.“


Delta ist der Moment, in dem wir den Hebel umlegen:


  • von Genervtsein zu Neugier

  • von Widerstand zu Würdigung


Der berühmte Delta-Hebel:

Was ist – bei allem – auch wunderbar an diesem Moment?


Augenblickszauberer werden.

Sich verbünden mit Achtsamkeit und Würdigung.



Omega – Selbsterfüllung


Wer bin ich – jenseits der Rollen?


Omega meint das Wesen.

Das Welt-Ich.

Die Harmonie höherer Ordnung.


Nicht im Sinne von Selbstoptimierung.

Sondern von innerer Übereinstimmung.



Zuversicht entsteht im Tun

Drei Frösche, ein französisches Baguette und der elegante nächste Schritt


In den Breakout-Sessions wurde es praktisch – und sehr menschlich.


Sabine Bertassi schenkte uns das französische Baguette: eine Atem- und Stimmübung als kleinen, feinen Anker für Auftrittsmomente.


Kinga Kökény erzählte die Geschichte der drei Frösche – und machte klar:

Zuversicht entsteht im Handeln.


Nicht fragen, ob etwas sicher ausgeht.

Sondern:

Was ist der nächste mögliche Schritt – trotz allem?

Akzeptanz als Schlüssel –

was im Gehirn passiert, wenn wir aufhören zu kämpfen


In ihrer Keynote hat Dr. Britta Hölzel einen zentralen Gedanken in den Raum gestellt:

Akzeptanz ist kein Aufgeben. Akzeptanz ist ein aktiver innerer Prozess.


Akzeptanz bedeutet, Gefühle bewusst anzuerkennen.

Mit dem zu sein, was ist.

Emotionen zu halten, statt sie wegzudrücken.

In freundlicher Verbundenheit mit sich selbst zu bleiben.


Nicht in den Widerstand gehen.

Nicht vermeiden.

Nicht überdecken.

Sondern: Das darf gerade da sein.


Anhand zahlreicher neurowissenschaftlicher Studien zeigte Hölzel, was dabei im Gehirn geschieht: Achtsame Akzeptanz verändert die Aktivität und Vernetzung jener Hirnareale, die für Emotionsregulation, Selbstwahrnehmung und Stressverarbeitung zuständig sind.


Wenn wir Gefühle nicht leugnen, nicht unterdrücken und nicht bekämpfen, entsteht etwas Überraschendes: Positive Empfindungen können sich überhaupt erst entwickeln.


Nicht, weil wir positiv denken.

Sondern weil wir aufhören, innerlich gegen uns selbst zu arbeiten.


Glaubenssätze und alte Muster lassen sich nicht löschen.

Die gelernte Spur bleibt. Aber sie kann durch neue, sichere Verbindungen überlagert und entgegengesteuert werden.


Akzeptanz schafft genau dafür den inneren Raum.

Durch achtsames Dableiben.


Sie ist eine hochwirksame innere Praxis – neurologisch messbar.


Essenz-Box: Akzeptanz nach Britta Hölzel


  1. Akzeptanz heißt: anerkennen, was ist – ohne Widerstand

  2. Gefühle wollen gehalten, nicht weggedrückt werden

  3. Achtsamkeit + Akzeptanz ermöglichen positive Empfindungen

  4. Alte Muster werden nicht gelöscht, sondern neu verschaltet

  5. Veränderung entsteht nicht durch Vermeidung, sondern durch Dasein


„Akzeptanz ist im Moment sein, um unserem Nervensystem zu möglichen aufzuhören mit dem Kämpfen – damit Veränderung überhaupt erst möglich wird.“



Und dann:

Klang. Verbindung. Getragen sein.


Gemeinsame Musik. Getragen sein – und selbst tragen.


Für jemanden, der sich selbst als „unmusikalisch“ erlebt, war das ein zutiefst berührender Moment. Teil eines großen Ganzen zu sein. Sich gehalten zu fühlen durch die Stimmen der anderen und selbst dennoch das Gefühl zu haben mitzutragen und auch halten zu können – spürbar.


Was bleibt –

meine Essenz der zwei Tage


Ich gehe mit:

  • dem Delta-Hebel,

  • der Erinnerung, dass Zuversicht Beziehung braucht,

  • der Gewissheit, dass sie im Handeln entsteht,

  • und mit tiefem Dank für echte Begegnungen – viele davon endlich offline.


Zuversicht ist eine Entscheidung.

Und sie wird stärker, wenn wir sie teilen.



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