Die unterschätzte Säule eines langen, gesunden Lebens heißt Beziehung
- silviafaulhammer
- 10. Juli
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 13. Juli
Wenn heute über Longevity gesprochen wird, fallen fast immer dieselben Begriffe: Ernährung, Bewegung, Schlaf, Krafttraining, Hormone, Eisbäder und Nahrungsergänzung. Die moderne Langlebigkeitsforschung beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie wir nicht nur länger leben, sondern möglichst viele dieser Jahre gesund, leistungsfähig und voller Lebensfreude gestalten können.
All das ist wichtig. Und doch fehlt in vielen Diskussionen ein Faktor, dessen Bedeutung die Wissenschaft seit Jahren eindrucksvoll belegt.
Beziehung.
Genauer gesagt: die Qualität unserer Beziehungen.

Diese Erkenntnis hat mich in den vergangenen Wochen besonders beschäftigt.
Nicht zuletzt deshalb, weil ich mich in den vergangenen Wochen intensiv mit dem Thema Longevity beschäftigt habe. Im Zuge der Vorbereitungen auf die Success Soirée habe ich mich unter anderem mit den Ansätzen und Themen unserer Keynote-Speakerin Michaela Altenberger auseinandergesetzt.
Michaela beschäftigt sich seit Jahren mit Longevity und beschreibt in ihrem Podcast Gesundheit als Zusammenspiel vieler Systeme – von Gehirn, Hormonen und Nervensystem bis hin zu Bewegung, Schlaf und Regeneration. Dabei weist sie auch auf einen Aspekt hin, der häufig unterschätzt wird: den bewussten sozialen Austausch als wichtigen Baustein für geistige Leistungsfähigkeit und emotionale Stabilität.
Sie beschäftigt sich mit Longevity. Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Kommunikation, Führung, Teams, Netzwerken und der Frage, wie echte Verbindung zwischen Menschen entsteht. Und plötzlich wurde mir klar, dass sich unsere Themen viel stärker überschneiden, als ich zunächst vermutet hätte.
Beziehungen sind Gesundheitsvorsorge.
Wir Menschen sind soziale Wesen. Unser Gehirn ist darauf ausgerichtet, Beziehungen einzugehen. Schon als Säuglinge suchen wir Blickkontakt, reagieren auf Stimmen und entwickeln Sicherheit durch Nähe. Dieses Grundbedürfnis begleitet uns ein Leben lang.
Gerade deshalb überrascht mich eine Entwicklung, die wir derzeit weltweit beobachten.
Noch nie waren wir technisch und digital so gut miteinander verbunden. Gleichzeitig fühlen sich immer mehr Menschen einsam.
Der Gallup State of the Global Workplace Report 2024 zeigt, dass sich weltweit mehr als jede fünfte Arbeitnehmerin und jeder fünfte Arbeitnehmer am Arbeitsplatz einsam fühlt. Gleichzeitig sinkt das subjektive Wohlbefinden vieler Beschäftigter. Einsamkeit entwickelt sich damit zu einem ernstzunehmenden Risiko für Unternehmen und bleibt dennoch häufig unsichtbar.
Dabei geht es längst nicht nur um ein unangenehmes Gefühl.
Es geht um Gesundheit.
Die Wissenschaft ist erstaunlich eindeutig.
Die wohl bekannteste Langzeitstudie der Welt, die Harvard Study of Adult Development, begleitet Menschen seit mehr als 85 Jahren. Ihr zentrales Ergebnis wurde über Jahrzehnte immer wieder bestätigt: Nicht Geld, beruflicher Erfolg oder gesellschaftlicher Status entscheiden darüber, ob Menschen gesund und zufrieden altern. Entscheidend sind die Qualität ihrer Beziehungen.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die viel zitierte Meta-Analyse von Julianne Holt-Lunstad und ihrem Forschungsteam. Für die 2010 veröffentlichte Untersuchung wurden 148 Einzelstudien mit insgesamt 308.849 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ausgewertet. Das Ergebnis ist beeindruckend: Menschen mit tragfähigen sozialen Beziehungen hatten eine um rund 50 Prozent höhere Überlebenswahrscheinlichkeit als Menschen mit schwachen sozialen Bindungen. Der Einfluss guter Beziehungen ist damit vergleichbar mit klassischen Gesundheitsfaktoren – und teilweise sogar größer.
Auch neuere Forschung bestätigt dieses Bild eindrucksvoll.
Die Meta-Analyse von Wang et al. (2023) fasst die Ergebnisse von 90 Studien mit mehr als zwei Millionen Menschen zusammen. Sie zeigt, dass soziale Isolation und Einsamkeit das Risiko erhöhen, früher an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder anderen Ursachen zu sterben.
Anders formuliert: Einsamkeit ist ein Gesundheitsrisiko.
Oder drastischer formuliert: Einsamkeit tötet!
Was bedeutet das für Unternehmen?
Wenn wir die Erkenntnisse der Longevity-Forschung ernst nehmen, verändert sich auch unser Blick auf die Arbeitswelt. In den vergangenen Jahren haben Unternehmen viel in betriebliches Gesundheitsmanagement investiert. Bewegung, Ernährung, ergonomische Arbeitsplätze, Resilienzprogramme oder Achtsamkeitsangebote sind heute in vielen Organisationen selbstverständlich geworden und leisten einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit der Mitarbeitenden.
Gleichzeitig macht die Forschung deutlich, dass körperliches Wohlbefinden allein nicht ausreicht. Menschen brauchen mehr als gesunde Kantinen, höhenverstellbare Schreibtische und Fitnessangebote. Sie brauchen das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Sie möchten erleben, dass sie gesehen werden, dass ihre Meinung zählt und dass sie sich auf andere verlassen können. Genau hier beginnt Kommunikation als Grundlage gelingender Beziehungen.
In meiner Arbeit mit Teams und Führungskräften beobachte ich immer wieder, dass Vertrauen nicht in Strategieworkshops oder Organigrammen entsteht. Vertrauen entwickelt sich in den vielen kleinen Begegnungen des Alltags: in einem ehrlichen Gespräch, in echtem Interesse am Gegenüber, in gemeinsam gemeisterten Herausforderungen oder in der Bereitschaft, unterschiedliche Sichtweisen auszuhalten. Zugehörigkeit lässt sich nicht verordnen. Sie wächst dort, wo Menschen sich begegnen, einander zuhören und das Gefühl entwickeln, Teil von etwas Größerem zu sein.
Gerade deshalb bin ich überzeugt, dass modernes Gesundheitsmanagement auch Beziehungspflege ist. Organisationen, die Räume für Begegnung schaffen, investieren nicht nur in ihre Unternehmenskultur. Sie investieren in Gesundheit, Motivation, Zusammenarbeit und letztlich auch in ihre Zukunft.
Warum Netzwerke weit mehr sind als Karriereförderung
Genau aus dieser Überzeugung heraus habe ich Formate wie die Success Soirée oder eat & spread entwickelt. Natürlich entstehen dort neue Kontakte, Kooperationen und manchmal sogar gemeinsame Projekte. Das ist schön und durchaus gewollt. Der eigentliche Wert dieser Formate liegt für mich jedoch an einer anderen Stelle.
Mich fasziniert seit jeher, was zwischen Menschen geschieht, wenn sie sich ohne Zeitdruck begegnen. Wenn aus einem ersten Gespräch plötzlich echtes Interesse entsteht, wenn jemand eine Erfahrung teilt, die den Blick auf eine Situation verändert, oder wenn eine einzige Frage einen Gedanken auslöst, der noch Tage später nachwirkt. Genau diese Momente lassen sich weder planen noch erzwingen. Sie entstehen dort, wo Offenheit, Neugier und Vertrauen aufeinandertreffen.
Jeder Mensch trägt einen Erfahrungsschatz in sich, den wir selbst niemals erwerben könnten. Mit jeder Begegnung erweitern wir deshalb auch unseren eigenen Horizont. Wir entdecken neue Sichtweisen, hinterfragen Gewohntes und nehmen Impulse mit, die weit über den eigentlichen Moment hinausreichen. Die Wissenschaft spricht in diesem Zusammenhang von sozialer Verbundenheit. Ich selbst spreche lieber von der Kraft echter Begegnungen, weil genau darin das liegt, was mich an meiner Arbeit als Coach, Trainerin und Kommunikationsberaterin jeden Tag aufs Neue begeistert.
Kommunikation schafft Gesundheit
Dieser Satz mag zunächst ungewohnt klingen. Schließlich verbinden wir Gesundheit meist mit Bewegung, Ernährung oder ausreichend Schlaf. Die Longevity-Forschung zeigt jedoch ein deutlich umfassenderes Bild. Gesundheit entsteht dort, wo viele unterschiedliche Faktoren zusammenspielen und tragfähige Beziehungen gehören zu den stärksten Schutzfaktoren überhaupt.
Kommunikation ist deshalb weit mehr als der Austausch von Informationen. Sie entscheidet darüber, ob Vertrauen entsteht, ob Menschen sich sicher fühlen, ob Zugehörigkeit wachsen kann und ob wir das Gefühl entwickeln, mit unseren Gedanken und Herausforderungen nicht allein zu sein. Gute Kommunikation verbindet. Und genau diese Verbindung wirkt sich nachweislich auf unser psychisches und körperliches Wohlbefinden aus.
Je digitaler unsere Welt wird, desto größer wird die Bedeutung analoger Begegnungen. Keine App ersetzt einen Menschen, der aufmerksam zuhört. Kein Chat kann jenes Gefühl vermitteln, das entsteht, wenn wir einem Gegenüber wirklich begegnen. Es sind diese Gespräche, die unseren Blick auf die Welt erweitern, neue Ideen entstehen lassen und manchmal sogar den Mut schenken, den nächsten Schritt zu gehen.
Mein persönliches Fazit
Die moderne Longevity-Forschung verändert unseren Blick auf Gesundheit grundlegend.
Sie macht deutlich, dass ein langes und gesundes Leben weit mehr braucht als Bewegung, Ernährung oder ausreichend Schlaf. Tragfähige Beziehungen zählen zu den wirksamsten Ressourcen, die wir für unsere Gesundheit besitzen, und dennoch schenken wir ihnen im Alltag oft erstaunlich wenig Aufmerksamkeit.
Diese Erkenntnis verändert auch meinen Blick auf meine eigene Arbeit. Coachings, Kommunikationstrainings, Teamworkshops oder Netzwerkveranstaltungen sind für mich längst nicht mehr nur Orte des Lernens oder des Austauschs. Sie sind Räume, in denen Vertrauen wachsen, Zugehörigkeit entstehen und Menschen einander auf eine Weise begegnen können, die weit über den eigentlichen Anlass hinaus Wirkung entfaltet.
Als ich über die Keynote von Michaela Altenberger für die kommende Success Soirée nachgedacht habe, wurde mir genau dieser Zusammenhang noch einmal besonders bewusst. Während sie darüber spricht, wie Ernährung, Bewegung, Schlaf, Nervensystem und Regeneration zu einem langen und gesunden Leben beitragen, schaffen wir mit der Success Soirée gleichzeitig einen Raum für einen weiteren Gesundheitsfaktor, den die Wissenschaft seit Jahrzehnten als zentral beschreibt: menschliche Verbindung.
Deshalb ist die Success Soirée für mich weit mehr als ein Netzwerkabend. Sie ist Ausdruck einer Haltung. Einer Haltung, die davon ausgeht, dass Menschen dort wachsen, wo sie sich begegnen, einander zuhören und sich als Teil einer Gemeinschaft erleben.
"Die Erkenntnisse der Longevity-Forschung haben meinen Blick auf Formate wie die Success Soirée verändert. Sie zeigen, wie wertvoll Räume sein können, in denen Menschen echte Verbindung erleben."
Die unterschätzte Säule von Longevity heißt Beziehung.
Mehr zum Thema Netzwerken, Sisterhood und echte Verbindung gibt es übrigens auch in meinen aktuellen Interviews und Podcast-Gesprächen zum Nachlesen und Nachhören:
👉 Tickets & Infos: www.desenz.at/success-soiree
Ich freue mich über Kontaktaufnahme!
Herzlichst, Silvia Faulhammer
Mag. a (FH) Silvia Helga Faulhammer, MSc.
desenz Agentur für Kommunikationsberatung
Josef-Schwer-Gasse 13 . 5020 Salzburg
Mobile Phone: +43 664 85 3 90 11
E-Mail: silvia.faulhammer@desenz.at
Quellen
Gallup. State of the Global Workplace Report 2024.
Harvard Study of Adult Development (Harvard University).
Holt-Lunstad, J., Smith, T. B. & Layton, J. B. (2010). Social Relationships and Mortality Risk: A Meta-analytic Review.
Wang, X. et al. (2023). Meta-Analyse zu sozialer Isolation, Einsamkeit und Mortalität.
Michaela Altenberger: Longevity 2025 – Whitepaper.
Michaela Altenberg: https://www.krallerhof.com/de/krallerhof/krallerhof-podcast









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