Die Nebensätze. Mit Wirkung.
- silviafaulhammer
- vor 2 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Ich muss ja mit meinen Teilnehmenden aus Kommunikations-, Rhetorik- und Präsentationstrainings regelmäßig schmunzeln.
Vor allem am Ende eines Lehrgangs.

Dann, wenn wir in diese typischen Reflexionsrunden gehen. Wenn Pinnwände vollgeschrieben werden.
Wenn auf Post-its steht:
„Das nehme ich mit.“
„Das war meine wichtigste Erkenntnis.“
„Das bleibt hängen.“
Und dann lese ich dort plötzlich Sätze von mir wie:
„Danach gibt’s ein Schnitzel.“
Oder:
„Niemand mag perfekte Leute.“
Oder:
„No need for stress.“
Und ich denke mir jedes Mal: Herrlich.
Vor allem deshalb, weil diese Sätze oft völlig nebenbei gefallen sind. Irgendwo zwischen einer Übung zu Körpersprache, Lampenfieber, Auftrittskompetenz oder Präsentationstechniken. Kleine Nebensätze eben.
Und trotzdem bleiben genau die hängen.
Und je länger ich Trainings gebe, desto faszinierender finde ich genau das.
Denn diese kleinen Sätze haben oft viel mehr Methode, als man im ersten Moment glauben würde.
Nehmen wir zum Beispiel den legendären Satz:
„Danach gibt’s ein Schnitzel. Oder einen Aperol Spritz.“
Ja, ich sage das tatsächlich in Trainings. Und nein, das ist nicht einfach nur ein lockerer Schmäh. Da steckt ziemlich viel Neurobiologie dahinter.
Denn wenn wir vor Menschen sprechen müssen, wenn wir präsentieren, moderieren oder ein wichtiges Meeting haben, dann reagiert unser System oft so, als würde es ums nackte Überleben gehen.
Lampenfieber ist nicht „nur ein bissl Nervosität“.
Unser Stammhirn kennt den Unterschied zwischen einer Präsentation vor 40 Menschen und einem Säbelzahntiger nämlich erstaunlich schlecht. Stress ist Stress. Alarm ist Alarm. Das Nervensystem fährt hoch. Puls rauf. Hände schwitzen. Gedanken weg. Tunnelblick.
Wir wissen rational natürlich alle:
Ein Jour fixe bringt uns nicht um.
Unser Nervensystem sagt trotzdem:
„Kritische Situation. Achtung. Gefahr.“
Und genau hier kommt das Schnitzel ins Spiel.
Oder der Aperol Spritz.
Denn sobald ich mir sage:
„Danach sitze ich in der Sonne.“
„Danach esse ich ein Wiener Schnitzel.“
„Danach stoßen wir an.“
signalisiere ich meinem Gehirn etwas unglaublich Wichtiges:
Es gibt ein Danach.
Ich werde das überleben.
Das klingt banal. Ist es aber nicht.
Denn genau damit holen wir unser System ein kleines Stück raus aus diesem Überlebensmodus. Wir überlisten unser Oberstübchen quasi liebevoll.
Und vielleicht bleiben diese Sätze deshalb hängen. Weil sie nicht nur Technik sind. Sondern Erleichterung.
Überhaupt glaube ich, dass Menschen in Kommunikations- und Präsentationstrainings oft viel weniger Perfektion suchen, als sie selbst glauben.
Eigentlich suchen sie Sicherheit.
Oder vielleicht noch genauer:
Die Erlaubnis, menschlich zu bleiben.
Eine Teilnehmerin fragte mich einmal:
„Was mache ich denn, wenn ich bei einem Vortrag den roten Faden verliere?“
Und ich musste innerlich fast schmunzeln, weil ich mir dachte:
Ja. Willkommen im Club der Menschen.
Natürlich passiert das.
Uns allen.
Man verliert kurz den Gedanken. Kommt aus dem Konzept. Verheddert sich. Vergisst den nächsten Satz. Und meistens merkt der Raum das ohnehin längst.
Und genau deshalb sage ich in solchen Momenten oft:
Nicht überspielen. Nicht hektisch so tun, als wäre nichts passiert.
Denn dieses „Ich darf mir keinen Fehler erlauben“ macht oft viel mehr Stress als der Fehler selbst.
Dabei reicht manchmal schon ein ganz einfacher Satz:
„Ups, jetzt habe ich kurz den Faden verloren.“
Oder:
„Moment bitte, ich sammle mich kurz.“
Und wissen Sie was?
Das macht Menschen meistens nicht unsicherer.
Sondern sympathischer.
Weil plötzlich ein echter Mensch vorne steht.
Kein aalglattes Performance-Wesen.
Keine geschniegelt perfekte Präsentationsmaschine.
Sondern jemand, der kurz strauchelt, lächelt und weitermacht.
Und genau das mögen Menschen.
Ich sage in Trainings:
"Niemand mag perfekte Leute."
Und dann hängt genau dieser Satz Monate später auf einem Post-it am „Baum der Erkenntnis“.
Daneben:
„No need for stress.“
Ich liebe das wirklich sehr.

Weil es mich immer wieder daran erinnert, dass Kommunikation eben nicht nur aus Techniken besteht. Nicht nur aus Tools, Modellen oder perfekten Formulierungen.
Sondern aus Haltung.
Aus Menschlichkeit.
Aus Präsenz.
Aus kleinen ehrlichen Momenten.
Vielleicht bleiben genau deshalb die Nebensätze hängen.
Die beiläufigen.
Die charmanten.
Die menschlichen.
Die, die einfach von Herzen kommen.
Und vielleicht gilt genau das nicht nur für Präsentationen oder Bühnen.
Vielleicht gilt es fürs ganze Leben.
Menscheln darf’s.









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